Virtual Reality Datenschutz – Was weiß die virtuelle Welt von mir

Virtual Reality Datenschutz
25 Jul, 2018

Da unsere Welt immer digitaler wird und wir mehr und mehr Daten von uns preisgeben – teilweise freiwillig und in vollem Bewusstsein, teilweise aber auch unbemerkt – sollte man digitale und virtuelle Welten auch kritisch hinterfragen. Was wissen die Firmen hinter den Technologien alles über uns? Wie verhält es sich mit dem Virtual Reality Datenschutz?

 

Virtual Reality Datenschutz: Wie sieht es mit den Datenschutzrichtlinien aus?

Schauen wir dazu in die Oculus-Datenschutzrichtlinien: Zur Registrierung gibt man Namen, Email, Telefon sowie Geburtsdatum ein. Sobald man etwas kauft, werden Zahlungsinformationen, Kaufaktivitäten sowie Versandangaben gespeichert. Zusätzlich werden erstellte Beiträge bzw. jegliche Kommunikation mit anderen Nutzern gesammelt. Daneben werden automatisch Interaktionen mit Spielen, Inhalten und Apps, Zugriffe auf die Dienste (verwendetes Gerät, Browser, Betriebssystem, IP-Adresse, Gerätekennung), Standortinformationen sowie Informationen über Körperbewegungen und -maße aufgezeichnet. Interessant ist auch, dass sich Oculus die Rechte einräumt, diese Informationen mit Daten aus verbundenen Unternehmen (Facebook, Instagram, Whatsapp usw.) sowie von Dritten zu kombinieren bzw. die eigenen gesammelten Daten mit diesen Unternehmen zu teilen. Dritten wird zudem eingeräumt, dass sie Informationen sammeln können, die außerhalb der Dienste an den User vermarktet werden können bzw. mit anderen Informationen kombiniert werden dürfen, die auf anderen Webseiten und Online-Diensten gesammelt wurden (vgl. Oculus VR, LLC. 2016).

 

Noch mehr Daten mittels Eye-Tracking

In Zukunft wird es auch möglich sein, die Augenbewegung komplett mitzutracken und somit genau zu wissen, was der User gerade ansieht. Von der Performance-Seite ist dies eine große Steigerung, da mit „Foveated Rendering“ nur der Bereich gerendert wird, der gerade angesehen wird. Der Rest der Umgebung wird abgestuft, also weniger scharf dargestellt. Der benötigte Grafikaufwand soll dadurch enorm verringert werden. An der Technologie arbeiten bereits einige Unternehmen. So auch zum Beispiel die Firma 7invensum, welche das aGlass-Addon für die HTC Vive vorgestellt hat, welches das Eye-Tracking ermöglicht. Es handelt sich dabei um Linsenaufsätze mit Infrarot-LEDs rund um den Linsen. Geplant sind auch Korrekturlinsen, um kurz- oder fernsichtige Personen das Spielen ohne Brille zu ermöglichen. In China ist das Addon bereits erhältlich, der Verkauf des Developer-Kits wurde für die USA für das 3. Quartal 2017 geplant (vgl. Danneberg 2017 A).

 


(Engadget 2017)

 

Von der Datenschutz-Seite betrachtet, gibt es damit weitere wichtige Daten, die über den Nutzer gesammelt werden. Es wäre also durchaus denkbar, dass man sich in einem Virtual Reality Game ein bestimmtes Kleidungsstück länger ansieht und einem das Kleidungsstück danach auf einer Zeitungs-Website per Bannerwerbung zum Kauf angeboten wird – natürlich gleich in richtiger Größe, da ja die Körpermaße ebenfalls aufgezeichnet werden. Spannend wird es auch, wenn die ganzen Körperbewegungen gesammelt werden und es damit möglich wird, Erkrankungen des Bewegungsapparates zu erkennen oder wenn Krankenkassen oder Versicherungsunternehmen auf die Idee kommen, diese Daten anzukaufen.

 

Der nächste große Hit: Mimik-Tracking

Der nächste große Schritt ist die Erfassung von Gesichtsausdrücken. Das Unternehmen MindMaze hat hier mit einem Gesichtspolster mit acht eingelassenen Dioden, die elektrische Ströme sowie Gesichtsmuskel-Bewegungen messen, bereits erste Ergebnisse erzielt. Im Hintergrund gibt es dazu auch noch Berechnungen, so dass die Gesichtszüge bereits Millisekunden vor der eigentlichen Ausführung erkannt werden und damit für eine fast gleichzeitige Umsetzung in der Virtual Reality sorgt. Angedacht ist, dass die computergesteuerten Spieler (NPCs) auf die Gesichtsausdrücke des Users reagieren können und damit eine völlig neue Interaktivität geschaffen wird. Das Unternehmen befindet sich in Gesprächen mit namhaften Herstellern und der Verkauf ist für Weihnachten 2017 geplant (vgl. Danneberg 2017 B).

 

(Lang 2017)

 

Fazit

Wir sind es von Facebook schon gewohnt, viel über uns preiszugeben – die Datenschutzrichtlinien von den VR-Brillen-Herstellern sind deshalb nichts Neues bzw. nicht zwingend gefährlicher als sonstige Datenschutzbestimmungen. Mit den neuen Technologien können aber immer mehr persönliche Daten von uns gesammelt werden, wie Körperbewegungen, Augenbewegungen, Mimik und Nutzungsverhalten. Interessant ist hier sicher auch die weitere Entwicklung in Richtung Pulsmessung bzw. Messung von anderen Körperfunktionen, sowie die zusätzliche Entstehung von neuem Zubehör. Nicht vergessen sollte man die eingebauten Mikrofone in den VR-Brillen, diese könnten durchaus aktiviert bleiben, wenn man die Brille kurz absetzt und pausiert für ein Telefonat zwischendurch. Man sollte deshalb vorsichtig mit seinen Daten umgehen, gerade auch im Hinblick, wenn diese mit anderen Plattformen kombiniert werden können.

 

Quellen

Danneberg, Benjamin (2017)
A: „HTC Vive: Eye-Tracking-Addon mit Korrekturlinsen angekündigt“ URL: https://vr-world.com/htc-vive-eye-tracking-addon-mit-korrekturlinsen-angekuendigt/ [Stand 23.10.2017]

B: „MindMaze: Maske stellt echte Emotionen in VR dar“ URL: https://vr-world.com/mindmaze-maske-stellt-echte-emotionen-in-vr-dar/ [Stand 23.10.2017]

Oculus VR, LLC. (2016): „Oculus-Datenschutzrichtlinien“ URL: https://www.oculus.com/legal/privacy-policy/ [Stand 23.10.2017]

 

Videoquellen

Engadget (2017): „New HTC Vive Tech Showcase | Hands-On“ URL: https://www.youtube.com/watch?v=O__RHgg615w&feature=youtu.be [Stand 23.10.2017]

Lang, Ben (2017): „MindMaze’s MASK is a Practical and Promising Approach to VR Face-tracking“ URL: https://www.roadtovr.com/mindmaze-mask-vr-face-tracking-hands-on/2/ [Stand 23.10.2017]

 
 
 
Titelfoto Quelle: pixabay.com / Photo: Aichi8Seiran

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